Reise-Blog

Beobachtungen und Anmerkungen von unterwegs

Archiv für Februar 2008

Dann sollen sie halt Kuchen essen!

Verfasst von danielsprenger am Dienstag, 12 Februar 2008

Im Jahre 1789, am 6. Oktober, also knappe drei Monate nach Ausbruch der Französischen Revolution, machten sich einige Pariser Frauen auf den Weg nach Versailles, um die Königsfamilie von dort nach Paris zu holen, sie sollte nicht mehr abgeschieden auf einer Wolke des Luxus fernab der realen Probleme der Hauptstadt schweben. Dieser Marsch der Frauen ging in die Weltgeschichte ein.

Am 11. Februar des Jahres 2008 machten sich ein Deutscher und eine Österreicherin (und damit eine Landsfrau Marie Antoinettes) ebenfalls auf den Weg nach Versailles. Mit dem Rad. Die von den beiden jungen Studenten durchgeführte Tagestour sollte in meine persönliche Paris-Geschichte eingehen. Darum erzähle ich sie hier.

Bis zur Porte d´Auteuil waren es von mir schon 45 Minuten, nach Versailles ging es dann über die Vororte St. Cloud, Sevrès und Viroflay, wobei zwischendurch die ein oder andere längere Steigung zu bemerken war. Für den Marsch der Frauen war damals eine akute Hungersnot nach mehreren Missernten ein Hauptgrund. Als sie ihr Leid vor dem Schloss bekundeten, soll Marie Antoinette gesagt haben: Wenn sie kein Brot haben, dann sollen sie halt Kuchen essen! Getreu dieser Devise ließen wir uns nicht lumpen und suchten zunächst einen Bäcker, nachdem wir in Versailles nach einer guten Stunde angekommen waren. Auf meinen ausdrücklichen Wunsch hin fanden wir zudem einen Dönermann, der ungefragt zwei Döner machte, obwohl ich nur einen bestellt hatte.

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Das Wetter spielte wie schon seit fünf Tagen mit und bescherte uns einen Foto-Himmel über dem von schon erwähnter österreichisch-stämmigen Königin in Auftrag gegebenen Bauernhof in einer Ecke des riesigen Schlossparkes. Ich hatte von seiner Existenz nichts gewusst und freute mich umso mehr über die Begegnung mit einem Esel. Desweiteren gab es dort noch eine große schwarze Kuh, Hühner, Enten, Tauben, Truthähne und Ziegen.

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Nach einer kurzen Pause am großen See machten wir uns auf den Rückweg. Den Ort verließen wir auf einer sehr steil bergan steigenden Straße, ich gebe zu: Ich musste das letzte Stück schieben, um danach nurmehr herunter zu fahren, was sehr gut ging. St. Cloud, Suresnes und schließlich der Bois de Boulogne, von wo aus man La Défense, Europas größtes Büroviertel, mal in seiner ganzen Pracht bewundern konnte.

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Ein rundherum perfekter Tag, einer der schönsten in Paris für mich. Heute habe ich zwar starken Muskelkater wegen des zu kleinen Fahrrads, doch der Ärger darüber, dass 50 Meter vor dem Pariser Ortsschild mein Hinterreifen platzte, verflog sehr schnell. Ich konnte so guten Gewissens mit dem RER weiter nachhause fahren, mir einen neuen Schlauch kaufen und das Rad sofort reparieren. Das gelang mir recht schnell, worauf ich zu Recht stolz bin, wie ich finde!

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Alles genietet!

Verfasst von danielsprenger am Sonntag, 10 Februar 2008

„Das muss man gesehen haben!“, meinte Jakob, als er gefragt wurde, ob ihm Paris gefallen hat. Recht hat er! Und wenn man es genauer wissen will, dann muss man halt länger hier wohnen. Doch für einen ersten Einblick war es nicht schlecht, dieses Wochenende, das wir unseren Großeltern zu Weihnachten geschenkt haben. Herrlichstes, frühlingshaftes Wetter ließ den Himmel im eigentümlichen Paris-Blau erstrahlen. Seit vier Tagen ist das so. Es ist wirklich so, dass die Stadt bei Sonne ganz anders aussieht. Der helle Sandstein, aus dem sie größtenteils gebaut ist, reflektiert das milde Sonnenlicht leicht diesig (manche würden sagen: diffus!), große Friedfertigkeit und Ruhe ist so in jedem Park anzutreffen, auch wenn er, wie heute der Jardin du Luxembourg, stark überlaufen ist. Doch der Reihe nach:

Am Donnerstag abend kamen meine Eltern und Großeltern im Hotel Les Gobelins an. Zwar war Opa etwas enttäuscht aufgrund der Größe der Rezeption („so klein?!“), mit dem Zimmer aber durchaus zufrieden. In der Rue Mouffetard wollten wir „Chez Nadine“ lecker essen, wurden aber später recht unwirsch dazu aufgefordert, den Platz zu wechseln, und das hatte folgenden Grund: Opa wollte nichts essen und nur Wasser, das es umsonst gibt, trinken. Das gefiel der Nadine nicht besonders, sie war dann eher so: „Ne, komm, das ist jetzt nicht so gut, fünf Personen, davon essen nur vier, dieser Tisch ist für acht Personen, da setze ich Sie mal um, ja?!!“ Nur muss man dazu sagen, dass es schon 22 Uhr durch war, und in der Tat kam danach kein Mensch mehr, die ganze Aufregung umsonst. Da ich Kopfschmerzen hatte, ging auch die Bestellung etwas durcheinander. Vegetarischer Teller, zuerst bestellt, wurde ersetzt durch Huhn, doch noch in der Küche gefunden, wobei Boeuf Bourguignon eigentlich auch nicht kommen sollte, sondern lieber ein Schnitzel. Aber auch egal, Hauptsache es schmeckt. Das tat es – Opa, der eigentlich ja nichts essen wollte, probierte mal von jedem was, so wurden am Ende alle satt und konnten gemütlich nachhause schlendern.

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Freitag ging es dann zunächst in meine Wohnung. Oma war erstaunt über meine Anpassungsfähigkeit und leicht verwundert („Man kann sich mit allem arrangieren; du bist klar gekommen, das ist die Hauptsache!; Wie haben Marita und Jane hier geschlafen?“). Nach kurzer Zeit hatten wir in meinem halben Zimmer, Küche, Bad schon alles gesehen, was uns unter den Druck setzte, nun mal was wirklich Interessantes anzuschauen. Wir fuhren mit der Métro auf die Ile de la Cité, wo Notre Dame (überlaufen wie immer) besucht wurde, ehe wir uns im erblühenden Square du Vert Galant zu einem gemütlichen Mittagssnack auf der Parkbank einfanden. Über die Pont Neuf zum Louvre, durch die Tuilerien und bis zum Place de la Concorde. Der klassische Rundgang, diesmal bei Kaiserwetter, welche bittere Gefühle der Erinnerung gemischt mit blankem Neid nun bei Marita und Jane hochkommen müssen… Schließlich sind wir zum Eiffelturm gefahren, deren Konstruktion von Jakob besonders bewundert wurde („Alles genietet! Wie viele Nieten da wohl drin sind?“).

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Auf den Champs de Mars spielten ältere Franzosen Boule, das Klischee war übererfüllt. Abends ging es dann zu Chartier, dem Qualitäts-Restaurant im 9. Arrondissement. Dieses Mal wurden wir wieder nicht von dem merkwürdigen Kellner bedient, er war nicht zu sehen. Abends wollten wir mit Opa noch in eine Kneipe, die Studentenbar war ihm zu laut und die zweite Papa zu teuer (11 Euro für 0,5 l Bier, das habe selbst ich noch nicht gesehen, und das in der Rue Mouffetard, was für die Schickeria!), so dass wir in eine komplett leere gingen, in der der Koch (aus Mangel an anderweitiger Beschäftigung) hingebungsvoll seine Küche blank putzte. War trotzdem nett, lustige Geschichten von früher wurden dort zu Gehör gebracht…

Samstag ging es erst an meiner Uni vorbei in den Jardin des Plantes, zu den Arènes de Lutece (dem römischen Amphitheater von Lutetia, so hieß Paris damals, abgeleitet von einem keltischen Wort für „Sumpf“) und weiter nach Montmartre. „Wollen wir da ganz hoch, die vielen Stufen?“ Ja, sicher doch, Opa! Ist ja auch immer wieder lohnend, wieder unten zu sein aber auch eine Beruhigung… Nur das Moulin Rouge mag dann noch für leichten Schwindel sorgen!

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Am Kanal St. Martin war die Sonne zwar weg, aber der kleine Hunger da, mit Baguette und Camembert hielten wir dort Ausschau nach nicht mehr verkehrenden Booten. Nur der Rotwein fehlte, welch ein Stilbruch. Durch Araberviertel ging es schließlich in eine Brasserie, dann weiter zum Chartier, wo es erneut wunderbar schmeckte und reibungslos ablief (diesmal konnten wir aber die Oscar-würdige Performance des besagten Starkellners mit der trüben Brille aus der Ferne beobachten). Für den Nachttrunk bevorzugten wir eine Bar neben dem Hotel, in der wir nicht ganz alleine waren.

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Heute fuhr ich dann wie jeden Morgen mit dem Rad zum Hotel, wo Oma und Mama mich schon sehnsüchtig am Fenster erwarteten. Nach dem Frühstück standen dann noch St. Eustache („Das ist wirklich eine schöne Kirche, gut, dass wir reingegangen sind!“, Oma) und Les Halles, Centre Pompidou und schließlich der Jardin du Luxembourg auf dem Programm. Wir besorgten uns die schwer umkämpften Stühle mittels ausgefeilter Peiltechnik und Feinsensorik bezüglich baldigen Aufbruch der bisherigen Besitzer verkündender Zeichen. Mit einem Crèpe vom Petit Grec im Magen traten alle zufrieden, aber durchaus erschöpft die Heimreise an. Alles in allem war es eine lustige Zeit, in der ich, da wir viel gesessen haben, von einigen Plätzen, die ich sehr lieb gewonnen habe, schon mal Abschied nehmen konnte. Ich fahre ja demnächst nachhause. Es bleiben mir noch fünf Tage.

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Ca y est!

Verfasst von danielsprenger am Sonntag, 3 Februar 2008

Gestern abend war Party angesagt, auf dem River King, einem Party Boot, das gestern zwar nicht rausfuhr, aber gute Musik, ausreichend Getränke (drei sind schon im Eintrittspreis von 10 Euro enthalten!) und viel Spaß für mich und einige Kommilitonen bot. Bis morgens um halb fünf das Licht anging und die Musik aus: Sperrstunde. Die erste Métro brachte mich müde zurück, heute steht darum kein Museumsbesuch an trotz erstem Sonntag im Monat, sondern ruhiges Kinoprogramm.

Das Feiern hatte diesmal tatsächlich einen Grund: Die anderen und ich haben es geschafft: Die Klausuren sind alle geschrieben, sieben Stück in zwei Wochen, davon fünf in vier Tagen, zu so unterschiedlichen Themenfeldern wie Gemeinschaftsrecht der EU, großen geostrategischen Problemen von heute und den großen Denkern der Wirtschaftstheorie. Noch weiß ich zwar nicht, wie die Ergebnisse ausfallen werden, doch kann ich sagen, dass die Fragestellungen im Allgemeinen sehr fair waren und für mich größtenteils zu beantworten. Nur als der stark alkoholisierte Dozent aus dem Geostrategie-Seminar eine Antwort strikt nach vorgegebener Gliederungsstruktur haben wollte, war ich etwas überfordert. Ca n´existe pas en Allemagne. Zwischendurch ging dieser Mann, der eigentlich im Verteidigungsministerium arbeitet (welch eine Vorstellung, der und der rote Knopf…) ständig auf den Flur und war auch überdies recht kurz angebunden. Am nächsten Tag erfuhr ich, dass man nur eine der zwei hingenuschelt diktierten Fragen hätte beantworten müssen – dann wäre es auch einfach gewesen. Generell war der Schwierigkeitsgrad auch nicht so hoch, nun ist die Frage, ob ich meine Gedanken auf Französisch halbwegs korrekt ausdrücken konnte.

Diese komprimierte Phase der standardisierten Wissensabfrage war für mich zweierlei: Einerseits eine Premiere, da ich nie zuvor mehr als zwei Klausuren pro Semester geschrieben habe und zweitens auch ein Abschied: Der Abschied vom Bachelor-Studium! Seit Freitag ist hier das Semester zu Ende und gleichzeitig auch für mich die Notwendigkeit, Kurse zu besuchen. Zurück in Berlin werde ich nur noch die Bachelor-Arbeit schreiben. Und dann hoffentlich in einen Master überwechseln, am liebsten den in Internationalen Beziehungen, für den ich mich, dank der großartigen Mithilfe von Hannes, rechtzeitig bewerben konnte. Die erforderlichen Punkte im TOEFL-Test habe ich bekommen, das Ergebnis von 110 Punkten war überraschend gut und dementsprechend habe ich mich Donnerstag abend darüber gefreut. Ca y est!

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Marita und Jane sind Zeugen des anschließend geäußerten Jubelschreis geworden, von Dienstag bis Freitag statteten sie mir einen Kurzbesuch ab. Sie hatten nur Pech mit dem Wetter, aber Glück mit dem Gästebetreuer und seiner Wahl der schönsten Lokale und Bars der Stadt. Studentenkneipe, Chartier, Couscous-Bar und der Petit Grec zum Crèpe-Essen, alles war dabei, was mir meine Tage hier so richtig versüßt hat. Und spazierengegangen sind wir auch ziemlich viel, nur das obligatorische Foto haben wir in etwas anderer Manier aufgenommen!

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