„Das muss man gesehen haben!“, meinte Jakob, als er gefragt wurde, ob ihm Paris gefallen hat. Recht hat er! Und wenn man es genauer wissen will, dann muss man halt länger hier wohnen. Doch für einen ersten Einblick war es nicht schlecht, dieses Wochenende, das wir unseren Großeltern zu Weihnachten geschenkt haben. Herrlichstes, frühlingshaftes Wetter ließ den Himmel im eigentümlichen Paris-Blau erstrahlen. Seit vier Tagen ist das so. Es ist wirklich so, dass die Stadt bei Sonne ganz anders aussieht. Der helle Sandstein, aus dem sie größtenteils gebaut ist, reflektiert das milde Sonnenlicht leicht diesig (manche würden sagen: diffus!), große Friedfertigkeit und Ruhe ist so in jedem Park anzutreffen, auch wenn er, wie heute der Jardin du Luxembourg, stark überlaufen ist. Doch der Reihe nach:
Am Donnerstag abend kamen meine Eltern und Großeltern im Hotel Les Gobelins an. Zwar war Opa etwas enttäuscht aufgrund der Größe der Rezeption („so klein?!“), mit dem Zimmer aber durchaus zufrieden. In der Rue Mouffetard wollten wir „Chez Nadine“ lecker essen, wurden aber später recht unwirsch dazu aufgefordert, den Platz zu wechseln, und das hatte folgenden Grund: Opa wollte nichts essen und nur Wasser, das es umsonst gibt, trinken. Das gefiel der Nadine nicht besonders, sie war dann eher so: „Ne, komm, das ist jetzt nicht so gut, fünf Personen, davon essen nur vier, dieser Tisch ist für acht Personen, da setze ich Sie mal um, ja?!!“ Nur muss man dazu sagen, dass es schon 22 Uhr durch war, und in der Tat kam danach kein Mensch mehr, die ganze Aufregung umsonst. Da ich Kopfschmerzen hatte, ging auch die Bestellung etwas durcheinander. Vegetarischer Teller, zuerst bestellt, wurde ersetzt durch Huhn, doch noch in der Küche gefunden, wobei Boeuf Bourguignon eigentlich auch nicht kommen sollte, sondern lieber ein Schnitzel. Aber auch egal, Hauptsache es schmeckt. Das tat es – Opa, der eigentlich ja nichts essen wollte, probierte mal von jedem was, so wurden am Ende alle satt und konnten gemütlich nachhause schlendern.

Freitag ging es dann zunächst in meine Wohnung. Oma war erstaunt über meine Anpassungsfähigkeit und leicht verwundert („Man kann sich mit allem arrangieren; du bist klar gekommen, das ist die Hauptsache!; Wie haben Marita und Jane hier geschlafen?“). Nach kurzer Zeit hatten wir in meinem halben Zimmer, Küche, Bad schon alles gesehen, was uns unter den Druck setzte, nun mal was wirklich Interessantes anzuschauen. Wir fuhren mit der Métro auf die Ile de la Cité, wo Notre Dame (überlaufen wie immer) besucht wurde, ehe wir uns im erblühenden Square du Vert Galant zu einem gemütlichen Mittagssnack auf der Parkbank einfanden. Über die Pont Neuf zum Louvre, durch die Tuilerien und bis zum Place de la Concorde. Der klassische Rundgang, diesmal bei Kaiserwetter, welche bittere Gefühle der Erinnerung gemischt mit blankem Neid nun bei Marita und Jane hochkommen müssen… Schließlich sind wir zum Eiffelturm gefahren, deren Konstruktion von Jakob besonders bewundert wurde („Alles genietet! Wie viele Nieten da wohl drin sind?“).


Auf den Champs de Mars spielten ältere Franzosen Boule, das Klischee war übererfüllt. Abends ging es dann zu Chartier, dem Qualitäts-Restaurant im 9. Arrondissement. Dieses Mal wurden wir wieder nicht von dem merkwürdigen Kellner bedient, er war nicht zu sehen. Abends wollten wir mit Opa noch in eine Kneipe, die Studentenbar war ihm zu laut und die zweite Papa zu teuer (11 Euro für 0,5 l Bier, das habe selbst ich noch nicht gesehen, und das in der Rue Mouffetard, was für die Schickeria!), so dass wir in eine komplett leere gingen, in der der Koch (aus Mangel an anderweitiger Beschäftigung) hingebungsvoll seine Küche blank putzte. War trotzdem nett, lustige Geschichten von früher wurden dort zu Gehör gebracht…
Samstag ging es erst an meiner Uni vorbei in den Jardin des Plantes, zu den Arènes de Lutece (dem römischen Amphitheater von Lutetia, so hieß Paris damals, abgeleitet von einem keltischen Wort für „Sumpf“) und weiter nach Montmartre. „Wollen wir da ganz hoch, die vielen Stufen?“ Ja, sicher doch, Opa! Ist ja auch immer wieder lohnend, wieder unten zu sein aber auch eine Beruhigung… Nur das Moulin Rouge mag dann noch für leichten Schwindel sorgen!

Am Kanal St. Martin war die Sonne zwar weg, aber der kleine Hunger da, mit Baguette und Camembert hielten wir dort Ausschau nach nicht mehr verkehrenden Booten. Nur der Rotwein fehlte, welch ein Stilbruch. Durch Araberviertel ging es schließlich in eine Brasserie, dann weiter zum Chartier, wo es erneut wunderbar schmeckte und reibungslos ablief (diesmal konnten wir aber die Oscar-würdige Performance des besagten Starkellners mit der trüben Brille aus der Ferne beobachten). Für den Nachttrunk bevorzugten wir eine Bar neben dem Hotel, in der wir nicht ganz alleine waren.


Heute fuhr ich dann wie jeden Morgen mit dem Rad zum Hotel, wo Oma und Mama mich schon sehnsüchtig am Fenster erwarteten. Nach dem Frühstück standen dann noch St. Eustache („Das ist wirklich eine schöne Kirche, gut, dass wir reingegangen sind!“, Oma) und Les Halles, Centre Pompidou und schließlich der Jardin du Luxembourg auf dem Programm. Wir besorgten uns die schwer umkämpften Stühle mittels ausgefeilter Peiltechnik und Feinsensorik bezüglich baldigen Aufbruch der bisherigen Besitzer verkündender Zeichen. Mit einem Crèpe vom Petit Grec im Magen traten alle zufrieden, aber durchaus erschöpft die Heimreise an. Alles in allem war es eine lustige Zeit, in der ich, da wir viel gesessen haben, von einigen Plätzen, die ich sehr lieb gewonnen habe, schon mal Abschied nehmen konnte. Ich fahre ja demnächst nachhause. Es bleiben mir noch fünf Tage.