Reise-Blog

Beobachtungen und Anmerkungen von unterwegs

Archiv für die Kategorie ‘Pariser Notizen’

Fortlaufende Geschichten aus dem Alltag

Dann sollen sie halt Kuchen essen!

Geschrieben von danielsprenger - Dienstag, 12 Februar 2008

Im Jahre 1789, am 6. Oktober, also knappe drei Monate nach Ausbruch der Französischen Revolution, machten sich einige Pariser Frauen auf den Weg nach Versailles, um die Königsfamilie von dort nach Paris zu holen, sie sollte nicht mehr abgeschieden auf einer Wolke des Luxus fernab der realen Probleme der Hauptstadt schweben. Dieser Marsch der Frauen ging in die Weltgeschichte ein.

Am 11. Februar des Jahres 2008 machten sich ein Deutscher und eine Österreicherin (und damit eine Landsfrau Marie Antoinettes) ebenfalls auf den Weg nach Versailles. Mit dem Rad. Die von den beiden jungen Studenten durchgeführte Tagestour sollte in meine persönliche Paris-Geschichte eingehen. Darum erzähle ich sie hier.

Bis zur Porte d´Auteuil waren es von mir schon 45 Minuten, nach Versailles ging es dann über die Vororte St. Cloud, Sevrès und Viroflay, wobei zwischendurch die ein oder andere längere Steigung zu bemerken war. Für den Marsch der Frauen war damals eine akute Hungersnot nach mehreren Missernten ein Hauptgrund. Als sie ihr Leid vor dem Schloss bekundeten, soll Marie Antoinette gesagt haben: Wenn sie kein Brot haben, dann sollen sie halt Kuchen essen! Getreu dieser Devise ließen wir uns nicht lumpen und suchten zunächst einen Bäcker, nachdem wir in Versailles nach einer guten Stunde angekommen waren. Auf meinen ausdrücklichen Wunsch hin fanden wir zudem einen Dönermann, der ungefragt zwei Döner machte, obwohl ich nur einen bestellt hatte.

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Das Wetter spielte wie schon seit fünf Tagen mit und bescherte uns einen Foto-Himmel über dem von schon erwähnter österreichisch-stämmigen Königin in Auftrag gegebenen Bauernhof in einer Ecke des riesigen Schlossparkes. Ich hatte von seiner Existenz nichts gewusst und freute mich umso mehr über die Begegnung mit einem Esel. Desweiteren gab es dort noch eine große schwarze Kuh, Hühner, Enten, Tauben, Truthähne und Ziegen.

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Nach einer kurzen Pause am großen See machten wir uns auf den Rückweg. Den Ort verließen wir auf einer sehr steil bergan steigenden Straße, ich gebe zu: Ich musste das letzte Stück schieben, um danach nurmehr herunter zu fahren, was sehr gut ging. St. Cloud, Suresnes und schließlich der Bois de Boulogne, von wo aus man La Défense, Europas größtes Büroviertel, mal in seiner ganzen Pracht bewundern konnte.

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Ein rundherum perfekter Tag, einer der schönsten in Paris für mich. Heute habe ich zwar starken Muskelkater wegen des zu kleinen Fahrrads, doch der Ärger darüber, dass 50 Meter vor dem Pariser Ortsschild mein Hinterreifen platzte, verflog sehr schnell. Ich konnte so guten Gewissens mit dem RER weiter nachhause fahren, mir einen neuen Schlauch kaufen und das Rad sofort reparieren. Das gelang mir recht schnell, worauf ich zu Recht stolz bin, wie ich finde!

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Alles genietet!

Geschrieben von danielsprenger - Sonntag, 10 Februar 2008

“Das muss man gesehen haben!”, meinte Jakob, als er gefragt wurde, ob ihm Paris gefallen hat. Recht hat er! Und wenn man es genauer wissen will, dann muss man halt länger hier wohnen. Doch für einen ersten Einblick war es nicht schlecht, dieses Wochenende, das wir unseren Großeltern zu Weihnachten geschenkt haben. Herrlichstes, frühlingshaftes Wetter ließ den Himmel im eigentümlichen Paris-Blau erstrahlen. Seit vier Tagen ist das so. Es ist wirklich so, dass die Stadt bei Sonne ganz anders aussieht. Der helle Sandstein, aus dem sie größtenteils gebaut ist, reflektiert das milde Sonnenlicht leicht diesig (manche würden sagen: diffus!), große Friedfertigkeit und Ruhe ist so in jedem Park anzutreffen, auch wenn er, wie heute der Jardin du Luxembourg, stark überlaufen ist. Doch der Reihe nach:

Am Donnerstag abend kamen meine Eltern und Großeltern im Hotel Les Gobelins an. Zwar war Opa etwas enttäuscht aufgrund der Größe der Rezeption (“so klein?!”), mit dem Zimmer aber durchaus zufrieden. In der Rue Mouffetard wollten wir “Chez Nadine” lecker essen, wurden aber später recht unwirsch dazu aufgefordert, den Platz zu wechseln, und das hatte folgenden Grund: Opa wollte nichts essen und nur Wasser, das es umsonst gibt, trinken. Das gefiel der Nadine nicht besonders, sie war dann eher so: “Ne, komm, das ist jetzt nicht so gut, fünf Personen, davon essen nur vier, dieser Tisch ist für acht Personen, da setze ich Sie mal um, ja?!!” Nur muss man dazu sagen, dass es schon 22 Uhr durch war, und in der Tat kam danach kein Mensch mehr, die ganze Aufregung umsonst. Da ich Kopfschmerzen hatte, ging auch die Bestellung etwas durcheinander. Vegetarischer Teller, zuerst bestellt, wurde ersetzt durch Huhn, doch noch in der Küche gefunden, wobei Boeuf Bourguignon eigentlich auch nicht kommen sollte, sondern lieber ein Schnitzel. Aber auch egal, Hauptsache es schmeckt. Das tat es – Opa, der eigentlich ja nichts essen wollte, probierte mal von jedem was, so wurden am Ende alle satt und konnten gemütlich nachhause schlendern.

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Freitag ging es dann zunächst in meine Wohnung. Oma war erstaunt über meine Anpassungsfähigkeit und leicht verwundert (“Man kann sich mit allem arrangieren; du bist klar gekommen, das ist die Hauptsache!; Wie haben Marita und Jane hier geschlafen?”). Nach kurzer Zeit hatten wir in meinem halben Zimmer, Küche, Bad schon alles gesehen, was uns unter den Druck setzte, nun mal was wirklich Interessantes anzuschauen. Wir fuhren mit der Métro auf die Ile de la Cité, wo Notre Dame (überlaufen wie immer) besucht wurde, ehe wir uns im erblühenden Square du Vert Galant zu einem gemütlichen Mittagssnack auf der Parkbank einfanden. Über die Pont Neuf zum Louvre, durch die Tuilerien und bis zum Place de la Concorde. Der klassische Rundgang, diesmal bei Kaiserwetter, welche bittere Gefühle der Erinnerung gemischt mit blankem Neid nun bei Marita und Jane hochkommen müssen… Schließlich sind wir zum Eiffelturm gefahren, deren Konstruktion von Jakob besonders bewundert wurde (“Alles genietet! Wie viele Nieten da wohl drin sind?”).

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Auf den Champs de Mars spielten ältere Franzosen Boule, das Klischee war übererfüllt. Abends ging es dann zu Chartier, dem Qualitäts-Restaurant im 9. Arrondissement. Dieses Mal wurden wir wieder nicht von dem merkwürdigen Kellner bedient, er war nicht zu sehen. Abends wollten wir mit Opa noch in eine Kneipe, die Studentenbar war ihm zu laut und die zweite Papa zu teuer (11 Euro für 0,5 l Bier, das habe selbst ich noch nicht gesehen, und das in der Rue Mouffetard, was für die Schickeria!), so dass wir in eine komplett leere gingen, in der der Koch (aus Mangel an anderweitiger Beschäftigung) hingebungsvoll seine Küche blank putzte. War trotzdem nett, lustige Geschichten von früher wurden dort zu Gehör gebracht…

Samstag ging es erst an meiner Uni vorbei in den Jardin des Plantes, zu den Arènes de Lutece (dem römischen Amphitheater von Lutetia, so hieß Paris damals, abgeleitet von einem keltischen Wort für “Sumpf”) und weiter nach Montmartre. “Wollen wir da ganz hoch, die vielen Stufen?” Ja, sicher doch, Opa! Ist ja auch immer wieder lohnend, wieder unten zu sein aber auch eine Beruhigung… Nur das Moulin Rouge mag dann noch für leichten Schwindel sorgen!

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Am Kanal St. Martin war die Sonne zwar weg, aber der kleine Hunger da, mit Baguette und Camembert hielten wir dort Ausschau nach nicht mehr verkehrenden Booten. Nur der Rotwein fehlte, welch ein Stilbruch. Durch Araberviertel ging es schließlich in eine Brasserie, dann weiter zum Chartier, wo es erneut wunderbar schmeckte und reibungslos ablief (diesmal konnten wir aber die Oscar-würdige Performance des besagten Starkellners mit der trüben Brille aus der Ferne beobachten). Für den Nachttrunk bevorzugten wir eine Bar neben dem Hotel, in der wir nicht ganz alleine waren.

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Heute fuhr ich dann wie jeden Morgen mit dem Rad zum Hotel, wo Oma und Mama mich schon sehnsüchtig am Fenster erwarteten. Nach dem Frühstück standen dann noch St. Eustache (“Das ist wirklich eine schöne Kirche, gut, dass wir reingegangen sind!”, Oma) und Les Halles, Centre Pompidou und schließlich der Jardin du Luxembourg auf dem Programm. Wir besorgten uns die schwer umkämpften Stühle mittels ausgefeilter Peiltechnik und Feinsensorik bezüglich baldigen Aufbruch der bisherigen Besitzer verkündender Zeichen. Mit einem Crèpe vom Petit Grec im Magen traten alle zufrieden, aber durchaus erschöpft die Heimreise an. Alles in allem war es eine lustige Zeit, in der ich, da wir viel gesessen haben, von einigen Plätzen, die ich sehr lieb gewonnen habe, schon mal Abschied nehmen konnte. Ich fahre ja demnächst nachhause. Es bleiben mir noch fünf Tage.

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Ca y est!

Geschrieben von danielsprenger - Sonntag, 3 Februar 2008

Gestern abend war Party angesagt, auf dem River King, einem Party Boot, das gestern zwar nicht rausfuhr, aber gute Musik, ausreichend Getränke (drei sind schon im Eintrittspreis von 10 Euro enthalten!) und viel Spaß für mich und einige Kommilitonen bot. Bis morgens um halb fünf das Licht anging und die Musik aus: Sperrstunde. Die erste Métro brachte mich müde zurück, heute steht darum kein Museumsbesuch an trotz erstem Sonntag im Monat, sondern ruhiges Kinoprogramm.

Das Feiern hatte diesmal tatsächlich einen Grund: Die anderen und ich haben es geschafft: Die Klausuren sind alle geschrieben, sieben Stück in zwei Wochen, davon fünf in vier Tagen, zu so unterschiedlichen Themenfeldern wie Gemeinschaftsrecht der EU, großen geostrategischen Problemen von heute und den großen Denkern der Wirtschaftstheorie. Noch weiß ich zwar nicht, wie die Ergebnisse ausfallen werden, doch kann ich sagen, dass die Fragestellungen im Allgemeinen sehr fair waren und für mich größtenteils zu beantworten. Nur als der stark alkoholisierte Dozent aus dem Geostrategie-Seminar eine Antwort strikt nach vorgegebener Gliederungsstruktur haben wollte, war ich etwas überfordert. Ca n´existe pas en Allemagne. Zwischendurch ging dieser Mann, der eigentlich im Verteidigungsministerium arbeitet (welch eine Vorstellung, der und der rote Knopf…) ständig auf den Flur und war auch überdies recht kurz angebunden. Am nächsten Tag erfuhr ich, dass man nur eine der zwei hingenuschelt diktierten Fragen hätte beantworten müssen – dann wäre es auch einfach gewesen. Generell war der Schwierigkeitsgrad auch nicht so hoch, nun ist die Frage, ob ich meine Gedanken auf Französisch halbwegs korrekt ausdrücken konnte.

Diese komprimierte Phase der standardisierten Wissensabfrage war für mich zweierlei: Einerseits eine Premiere, da ich nie zuvor mehr als zwei Klausuren pro Semester geschrieben habe und zweitens auch ein Abschied: Der Abschied vom Bachelor-Studium! Seit Freitag ist hier das Semester zu Ende und gleichzeitig auch für mich die Notwendigkeit, Kurse zu besuchen. Zurück in Berlin werde ich nur noch die Bachelor-Arbeit schreiben. Und dann hoffentlich in einen Master überwechseln, am liebsten den in Internationalen Beziehungen, für den ich mich, dank der großartigen Mithilfe von Hannes, rechtzeitig bewerben konnte. Die erforderlichen Punkte im TOEFL-Test habe ich bekommen, das Ergebnis von 110 Punkten war überraschend gut und dementsprechend habe ich mich Donnerstag abend darüber gefreut. Ca y est!

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Marita und Jane sind Zeugen des anschließend geäußerten Jubelschreis geworden, von Dienstag bis Freitag statteten sie mir einen Kurzbesuch ab. Sie hatten nur Pech mit dem Wetter, aber Glück mit dem Gästebetreuer und seiner Wahl der schönsten Lokale und Bars der Stadt. Studentenkneipe, Chartier, Couscous-Bar und der Petit Grec zum Crèpe-Essen, alles war dabei, was mir meine Tage hier so richtig versüßt hat. Und spazierengegangen sind wir auch ziemlich viel, nur das obligatorische Foto haben wir in etwas anderer Manier aufgenommen!

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Zu Tisch mit dem Zentralbankchef

Geschrieben von danielsprenger - Donnerstag, 24 Januar 2008

Absturz der Börsen in aller Welt, eingetrübte Konjunkturaussichten, droht gar eine Rezession, erst in den USA, dann weltweit? Das waren die Meldungen und bangen Fragen der vergangenen Tage, sie bestimmten die Nachrichten. Und heute dann das: Ein kleiner Angestellter der Société Générale, der zweitgrößten französischen Bank, hat es geschafft, mit hoch riskanten Aktienoptionsgeschäften und dem massiven Ankauf von “plain vanilla options” einen Verlust von 4,9 Milliarden Euro anzurichten. Ganz alleine. So sagt es die Bank, deren Kontrollmechanismen das nicht bemerkt haben. So wurde es heute auch berichtet, den ganzen Tag: Der größte Bankbetrug aller Zeiten!

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Im ARD-Studio Paris war heute deshalb Großkampftag – Schalten für die Deutsche Welle (siehe Foto, auf dem Michael Strempel im kleinen Bildschirm gerade verkabelt wird) wurden unterbrochen von der Anfertigung diverser Tagesschau-Berichte, um 16, 17 und natürlich um 20 Uhr war der Skandal aus Frankreich dort Top-Meldung. Das Team arbeitete auf Hochtouren. Ich durfte es insofern unterstützen, als dass ich alleine zur Pressekonferenz des Gouverneurs der Banque de France, der französischen Zentralbank, geschickt wurde. Ich dachte vorher an einen großen Saal und Hunderte Journalisten, wir wurden jedoch in ein recht kleines Zimmer mit rundem Tisch und daran vielleicht 20 Plätzen geführt. Und dann setzte sich Christian Noyer (früher auch mal Vize der EZB) mit an den Tisch und erzählte seine Sicht der Dinge. Unglaublich interessant, am Ablauf eines solchen historischen Tages ganz praktisch beteiligt zu sein. Ich stellte zwar keine Frage, dafür war die Materie mir doch etwas zu unbekannt, aber notierte fleißig die Antworten auf die Fragen von anderen Journalisten. Tenor: Man hatte vorher nichts kommen sehen und muss nun trotzdem an verschärfte Kontrollmechanismen denken. O-Ton Noyer: “Wir haben gedacht, so etwas sei nicht möglich. Dann ist es passiert. Wir müssen nun dafür sorgen, dass sich derlei nicht wiederholt.”

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Mal sehen, wie sich das weiterentwickelt. Aktiv werde ich allerdings nicht mehr lange an der Recherche beteiligt sein: Morgen endet mein Praktikum bereits. Drei Wochen wie nichts vorbeigezogen. Es war eine großartige Zeit bei den netten Menschen vom WDR. In der nächsten Woche stehen dann gleich fünf Klausuren an, und nebenbei bewerbe ich mich noch für den Master Internationale Beziehungen. Langsam sind zwar alle nötigen Dokumente zusammen, aber Stress und Aufwand ist es trotzdem. Mit ungewissem Ausgang. Ob ich die erforderliche Punktzahl im TOEFL-Test (ein Zulassungskriterium waren 100 Punkte dort) erreicht habe, stellt sich erst nächsten Freitag raus. Bis dahin bleibe ich gespannt und lehne mich entspannt zurück und freue mich, dass ich kein Konto bei einer französischen Bank eröffnet habe.

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Von Faubourg zu Faubourg

Geschrieben von danielsprenger - Sonntag, 13 Januar 2008

Single in Paris. Suse zu Besuch bei mir! Wir hören Rainald Grebe in meinem großartigen Multimediaabspielgerät.

Wir sind unterwegs gewesen zu den tollsten Kneipen wie dem La Chope, wo es freitags und samstags immer umsonst eine reelle Portion Couscous zum großen Bier dazu gibt. Das Ganze bei netter Musik. Nur Suse musste zum Rauchen rausgehen, seit dem 1. Januar herrscht auch in Frankreich ein Rauchverbot, der Fortschritt bahnt sich also auch im ansonsten so reformresistenten Land Sarkozys immer mehr Bahn. Nur dann kommt ein eingebildeter Franzose mit dem Namen Benoit auf die Idee, draußen mit Suse rauchend auf meine Weigerung, sie dazu zu begleiten, einzugehen und dieses zu kritisieren. Was denkt der sich dabei. Suse fand das gar nicht so schlimm.

Paris, Paris, das ist doch keine Stadt, das ist doch DEKO!

Aber die ist professionell gemacht, die Wände des Louvre sind schon hübsch dekoriert. Davon hat Madame dann auch einige Fotos gemacht. Ebenfalls sehr professionell. Dann sind uns immer viele Pärchen aufgefallen. “Single in Berlin ist dann doch noch besser als Single in Paris”, war der Schluss, den Suse eben gezogen hat. Hier bekommt man die amouröse Aktivität auf nahezu jeder Parkbank vorgeführt.

Und im Chartier sind wir von einem alkoholisierten Kellner schlecht bedient, aber sehr gut unterhalten worden! Nicht nur, dass er die Speisekarten mit den Tischdecken von der Ablage runtergefegt hat oder jedem Gast mehrmals auf die Schulter gefasst hat, nein, mindestens fünf Mal hat er auf unserem Tische nachgeschaut, was wir eigentlich bestellt haben, um die Pilze dann doch zu vergessen. Dafür hat er aber dann wieder vier Mal nachgefragt, ob wir schon bezahlt haben. Das hatten wir, und zwar einen Betrag, den er nach einer eigenen Rechenmethode ermittelt hatte. Viele würden hier ja sicher die Addition vorziehen, er nicht, er bevorzugte die falsche Auflistung teilweise imaginärer, nicht bestellter Speisen. Der Betrag war dann aber ungefähr passend, wir waren zufrieden und gaben 80 Cent Trinkgeld. Da kann man sicher einen Schnaps von kaufen.

Achja, und dann waren wir noch aus Pflichtgefühl beim Arc de Triomphe und beim blinkenden Eiffelturm. “Kitschig!” Aber das Foto ist gut!

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Den ganzen Tag nur Fernsehen!

Geschrieben von danielsprenger - Donnerstag, 10 Januar 2008

Nun bin ich bereits vier Tage lang Praktikant im ARD-Studio in Paris und restlos begeistert: Wenn der RBB mich schon in die Richtung getrieben hat, so verstärkt der Aufenthalt bei den Korrespondenten meinen Wunsch, später (oder lieber früher!) selbst in diesem Bereich zu arbeiten. Wenn es irgend möglich ist, werde ich versuchen, diesen harten steinigen Weg hin zum Redakteur beim öffentlich-rechtlichen Fernsehen zu gehen. Der Aufenthalt in den geheiligten Hallen, in denen schon Ulrich Wickert Kaffee kochte, beflügelt mich dabei. Einfach genial dort, sowohl was die Aufgaben, aber auch die Atmosphäre im Studio betrifft. Sehr kollegial und witzig, menschlich und motivierend sind alle Mitarbeiter dort. Insgesamt sind um die 15 Leute dort beschäftigt, ich habe täglich hauptsächlich mit den Kameramännern und den Ton-Technikern sowie mit den Korrespondenten selbst zu tun. Letztere weisen mir Aufgaben zu, darunter klassische Praktikantentätigkeiten wie die sehr interessante Recherche, die mich heute in die Innenwelt der sozialistischen Partei Frankreichs und ihre Haltung gegenüber dem Lissaboner Vertrag zur EU-Reform führte. Daraus könnte in der nächsten Woche ein Thema werden, das von der Aktualität (also der Tagesschau-Redaktion) angefragt wird. Dann würde das produziert.

So wie am Dienstag, als Sarkozy seine Neujahrsrede hielt und ich diese im Studio live verfolgte, um die wichtigen Stellen rauszuschreiben, damit man nachher wusste, wo was angesprochen wurde. Die Korrespondenten Ellen Ehni und Michael Strempel (Studioleiter) waren persönlich im Elysée-Palast und kamen gerade rechtzeitig wieder, so dass eine Schalte für die Tagesschau um 12 möglich war und für die Deutsche Welle um halb zwei. Dann wurden die Bilder des Tages zusammengeschnitten und mit unterschiedlicher Schwerpunktsetzung in der Tagesschau um fünf und in den Hauptnachrichten um 20 Uhr ausgestrahlt. Für letztere wurde noch rasch ein Aufsager von Herrn Strempel gedreht, vorm Elysée-Palast (nicht einfach möglich, Stative sind dort zum Beispiel verboten, man könnte ja ein Gewehr drauftun). Und zwar um halb acht, um kurz nach acht lief schon der Bericht. Die Vorläufe sind also extrem kurz, das Arbeiten dann ein sehr konzentriertes, aber nicht nervöses. Just-in-time-Lieferung für Millionen Zuschauer, die davon natürlich nichts ahnen. Nur der boulevardeskere Bericht für die Tagesthemen, der Sarkozys Beziehung zur Carla Bruni behandelte, war über zwei Stunden vorher fertig.

Apropos Sarkozy-Bruni: Dazu habe ich gleich an meinem ersten Tag ein Vox-pop gemacht, eine Umfrage unter Passanten, die über die Champs-Elysées hetzten. Nur einmal habe ich einen Nicht-Franzosen angesprochen, sonst lag ich immer richtig in der Nationalitätseinschätzung. Einige schöne Aussagen (“Das ist mir scheißegal”, “Ich habe noch keine Einladung erhalten!” oder “Der soll doch flachlegen, wen er will!”) wurden dann in Brisant gesendet, natürlich auch bereits drei Stunden später. Ein toller Einstieg, einfach mal so ins kalte Wasser geworfen. Und es ist gut geworden. Dass ich sowas würde machen dürfen, hätte ich nicht gedacht. Auch nicht, dass ich so herzlich und selbstverständlich aufgenommen werde. Gestern, als es nach dem Hochleistungsdienstag ziemlich wenig zu tun gab, habe ich mich viel mit den Anderen unterhalten und ausgetauscht. Einfach wunderbar. Heute ging es dann neben der Recherche noch zum Dreh mit: Ins Wohnungsbauministerium und zu einer Demo der unter Wohnungsnot Leidenden. Interessant, wenn auch nicht völlig neu für mich. Wer mehr über das Thema und das Wohnungsproblem in Paris wissen möchte, kann am Samstag um 16:15 Uhr das Europa-Magazin in der ARD ansehen, da läuft der Beitrag über die Schwierigkeit, in Paris eine Sozialwohnung zu finden. Und noch ein Fernsehtipp: Am 02. Februar läuft um 13:45 Uhr der Paris-Film von Michael Strempel, der momentan noch geschnitten wird. Lohnt sich sehr. Schöne Bilder, interessante Geschichten. Qualitätsfernsehen eben!

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Aux Champs-Elysées…

Geschrieben von danielsprenger - Freitag, 4 Januar 2008

…ist zu Silvester mal gar nichts los! Gut, es gehen, strömen, baladieren, schlendern, schlürfen und flanieren Hunderttausende Menschen (in einer interessanten Zusammensetzung aus Touristen und Banlieue-Jungs) über die für den Verkehr gesperrte Straße der himmlischen Gefilde, doch: Es gibt kein Feuerwerk. Dieses Jahr hat die Stadt Paris private Knallerei aufgrund zu hoher Gefährdungstendenzen für die automobile Straßenranddekoration komplett untersagt und obendrein auch die ansonsten den Arc de Triomphe in Neujahrslicht tauchende pyrotechnische Kunst schlichtweg gestrichen. Tolle Wurst. Wir (mein Langzeit-Besuch Gerold und Ban-Sok und ich) stehen also auf der Straße, auf der Höhe der bekannten Brasserie Fouquet´s und schauen verwundert auf die Uhr. Es ist eigentlich schon nach Mitternacht, doch keiner weiß das so genau, da es weder Countdown noch anderweitige Belustigung gibt. Die Blicke richten sich erwartungsvoll gen Triumphbogen, doch es passiert einfach NICHTS. C´est nul. Unglaublich: In der Weltmetropole Paris gibt es kein Silvesterfeuerwerk, keine Party und somit auch kaum Spaß. Wir machen das Beste daraus und recht Gutes auf: Zumindest die erste Flasche Sekt schmeckt gut, die zweite ist mit Muskat versehen und wird von uns, nicht mal halb geleert, lieblos auf dem Boden entsorgt. Ab und an wünscht man Vorbeiziehenden ein “Bonne année”. Weiter gibt es nichts Bemerkenswertes. Es sind wie gesagt einfach nur bummelnde Menschen zu sehen. Und Hundertschaften an Polizisten. Die sich später, als wir weiter zum Etoile hochgegangen waren, mittels ihrer Schilde gegen auf sie geworfene Flaschen wehren müssen. Zeit für uns, wieder nach unten zu schlendern. Dort sitzen wir, mittlerweile schon in der zweiten Stunde des neuen Jahres, länger auf einer Bank und diskutieren über die enttäuschende Silvesterveranstaltung, die eigentlich nicht mal eine war. Dennoch ist es interessant gewesen, das mal zu erleben, so weiß man, was man an der Berliner Silvesternacht hat.

Allen Lesern wünsche ich ein großartiges, gutes, gesundes und erfolgreiches Jahr 2008!!!

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Halbzeitbilanz!

Geschrieben von danielsprenger - Dienstag, 18 Dezember 2007

Sehr überraschend kam gestern Abend, während ich gerade 12 Leuten auf 11 Quadratmetern Crèpes servierte, die Nachricht, dass die Kurse ab dem heutigen Dienstag weitergehen würden. Der Präsident hat sich tatsächlich durchgesetzt mit seiner Taktik der geschlossenen Tür, es wird aber auch in Zukunft weitere Diskussionen geben, die Assemblée wird rechtzeitig zum 10. Jubiläum zu einer quasifesten Institution, die den Prozess der Umsetzung des Loi Pécresse kritisch begleiten soll. Das war ein notwendiges Zugeständnis für die Aufhebung der Blockade. Nach fünf Wochen ist die Uni wieder offen! Nur konnte ich davon heute nicht profitieren. Den ersten Kurs heute morgen verpasste ich, weil ich nach rechtzeitigem Aufstehen aufgrund der sicher auch am gemütlichen Weinkonsum von gestern Abend liegenden Müdigkeit einfach nochmal eingeschlafen bin und so erst um 13 Uhr pünktlich zum Frühstück in der Mensa war. Dort gab es heute nicht so viel Auswahl wie sonst. Die Pizza war alle, der Kebab auch, das Hauptgericht (Hacksteak) hatte gestern schon nicht geschmeckt, innen war die Bulette noch blutig… Deshalb entschied ich mich spontan für Hähnchenteile mit Pommes. Da kann man ja nichts falsch machen, es war sogar halbwegs warm. In der Mensa bin ich meistens mit einer festen Gruppe, der Restau U-Connection, bestehend aus Deutschen und Italiener(inne)n. Das Foto, auf dem die Freude an kulinarischer Hochleistung deutlich wird, datiert von gestern, heute zeigten sich ähnlich wie bei mir auch bei den anderen Feinschmeckern einige Ausfallerscheinungen aufgrund des Crèpegenusses. Einen Abend wie gestern sollten wir öfter machen. Gerne auch wieder bei mir, da haben wir wenigstens alle Platz…

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Dazu bleiben mir nur noch weniger als zwei Monate Zeit. Mehr als die Hälfte meines Aufenthalts ist vorüber. Die Halbzeitbilanz fällt durchweg positiv aus: Trotz des lange nicht möglichen Uni-Besuchs bin ich sehr froh über die Möglichkeit, hier zu leben. Gäbe es derlei störende Umstände nicht, würde man doch weit weniger über Land und Leute, über Mentalitäten und Eigenheiten erfahren. Und ich habe ja nun während des Überangebotes an freier Zeit wirklich einiges gemacht, diverse Museen besucht, zwei Schlösser, ich war in Poitiers, öfter gut essen, kenne mich meiner eigenen Einschätzung nach mittlerweile ziemlich gut aus und werde nun schon fast wehleidig, dass es so bald schon wieder vorbei sein soll. Die etwas längere Eingewöhnungsphase ist ab Mitte Oktober abgelöst worden von einer grundsätzlichen Bejahung und Freude über jeden neuen Tag, den ich hier meinen Fensterladen öffne. Lustige Feiern und merkwürdige Clubs, häufiger, aber immer netter Besuch und Spaziergänge, die ich alleine unternehme, Tage, an denen ich nicht viel mache und solche, die voll gefüllt sind mit Programm, kurzum: Es ist fast ein wenig wie in Berlin. Ich fühle mich in meinem kleinen Zimmer ziemlich wohl. Bereits am nächsten Donnerstag kehre ich hierher zurück (begleitet von Ban-Sok und Gerold), das geht alles viel zu schnell. Zuvor werde ich jedoch morgen nach Deutschland fliegen und dort Weihnachten verbringen, im Kreise meiner lieben Verwandten, worauf ich mich schon wahnsinnig freue. Da kann mir auch so ein blödes Plakat in der Métro die Vorfreude nicht verderben. Deutschland, ich komme.

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Der König zu Besuch in Versailles

Geschrieben von danielsprenger - Freitag, 14 Dezember 2007

Le roi, c´est moi. Diese Worte spricht Fabian, während er sich auf seinen letzten Besuchstag vorbereitet. Heute abend geht´s für ihn wieder zurück – nach einer Woche voller Spaß, gutem Essen und schönen Schlossbesuchen. Er hat sich durch die Stadt gekämpft, begeistert den russischen Musikern in der Métro gelauscht und sich weder von offenen Gräbern auf dem Père Lachaise, von “Mabboro, Mabboro” rufenden arabischen Zigarettenverkäufern in Montmartre oder dort umherschwirrenden Freundschaftsbändchenverkäufern aus dem Tritt bringen lassen (was dazu führte, dass er einen von letzteren von sich wegstieß, bis dieser verstand, dass hier kein naiver Tourist, sondern ein weit gereister Mann vor ihm steht!). Im Chartier hat er mich, nett wie er ist, sogar zum Essen eingeladen. Nur vom Angebot an jungen Damen auf der Rue St. Denis waren wir beide etwas enttäuscht (Ohnehin interessierte sich Fabian ja eh nicht für derlei freizügige pelzkragentragende Angebote der freien Liebe, da seine Prinzessin, mit der er viele Telefonate führte, ja zuhause auf ihn wartet).

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Und gestern waren wir dann in Versailles, bei Kaiserwetter wandelten wir im herrschaftlichen Garten. Das frisch abgestrahlte Schloss (das leider von vorne stark eingetütet war) strahlte in der Sonne, so dass wir leicht geblendet waren von derlei Prunk. Und den Blitzen der vorherrschend von Asiaten benutzten Fotokameras. Wir kämpften uns durch die auf der oberen Terrasse stehenden Touristenmassen, beide nur je einmal zum Fotomachen genötigt. Kollateralschaden. Danach wurde es immer ruhiger. Am Grand Canal verloren sich nur einige wenige Besucher, am von Schwänen besetzten Bootsanleger. Und ganz hinten, nach ca. 3-4 km strammen Wanderns, erreichten wir das Ende des Parks, bei dessen Gestaltung im 17. Jahrhundert viele Arbeiter im Sumpf gestorben sind. Herrlich, ein lohnender Ausflug, der Rückweg führte dann mit dem RER durch die Banlieues, in denen man nicht wohnen möchte.

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Das leidige Thema Universität: Es hat sich eine neue Qualität ergeben. Sie ist nun nicht mehr blockiert – sie ist komplett geschlossen, administrativ. Vom Präsidenten. Bis auf Weiteres. Keiner kommt mehr rein, weder Studenten noch Personal. Auch nicht in die Bibliothek. Es hört einfach nicht auf. Heute ist wieder eine Assemblée Générale. Die 10., also Jubiläum. Was es wohl als Überraschung geben wird? Schließlich steht Weihnachten vor der Tür.

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Wenn es Nacht wird in der Banlieue

Geschrieben von danielsprenger - Mittwoch, 12 Dezember 2007

Freitagnacht, es ist zwei Uhr. Ein nach Kino- und Barbesuch müder deutscher Austauschstudent macht sich entgegen seiner Gewohnheit mit der Métro vom Quartier Latin aus auf den Weg nachhause. Er hätte auch laufen können, doch eine persönliche Entscheidungsschwäche diesbezüglich verhinderte den einzigen Ausweg, den es aus dem dann folgenden Verhängnis noch hätte geben können. Die Linie 4 fährt trotz der bereits fortgeschrittenen Uhrzeit ganz einwandfrei. Beim Umsteigen im Châtelet merkt unser junger Freund jedoch, dass hier die letzte Métro bereits abgefahren ist. Ärgern hilft nichts, der lange Weg bis zum Nachtbus, der durch menschenleere Tunnelanlagen führt, muss zurückgelegt werden. Der Nachtbus kommt nach nur 20 Minuten Wartezeit. Unser Held entscheidet erneut in einer fatalen Verkenntnis der Lage falsch. Er stempelt kein neues Billet ab, schließlich denkt er, sein altes sei noch gültig aufgrund des schlechten Services bei der Métroverbindung. Und seien wir ehrlich, er ist auch noch nie kontrolliert worden. Doch das Unvermeidliche geschieht. Ein RATP-Mensch weist sich aus, fordert Einsicht in die Fahrkarte, erkennt meine nicht an, lässt sich auch auf keine Diskussion über deren ihr von mir moralisch zugestandenen Wert ein. Er hätte nun gerne 40 Euro erhöhtes Beförderungsentgelt. Der junge, vorher leicht müde, nun wieder hellwache Mann diskutiert dennoch weiter über die Modalitäten der Errichtung des Bußgeldes, verpasst deshalb seinen Ausstieg am Place d´Italie. Da er keinen Ausweis mit seiner französischen Adresse, nicht mehr als 15 Euro Bargeld und auch keine französische Bankkarte vorweisen kann, einigt er sich mit dem stets höflichen, aber auch unnachgiebigen Kontrolleur darauf, beim nächsten Ausstieg mit ihm nach einer Bankfiliale zu suchen, um den fälligen Betrag abzubuchen. Mittlerweile ist es viertel vor drei geworden und der nächste Ausstieg befindet sich bereits in der Banlieue, wobei dieser Vorort aber nicht so sehr gefährlich ist. Es ist einfach nichts los dort. Außer einige Besoffene und junge Männer südländischer Herkunft. Malheuresement gibt es beim besten Willen keine Bankfiliale dort. Nun ist der Kontrolleur in eine Situation der Bedrängnis geraten. Er würde so gerne weiter kontrollieren, ist aber noch mit dem besagten Fall beschäftigt. Schließlich entscheidet er, dass er nur einen Bußgeldbescheid über 10 Euro ausstellen würde, die wären ja vorhanden. Der junge Mann stimmt zu und ist halbwegs erleichtert.

Und so fahre ich beruhigt und glücklich, en effet nur 9 Euro umsonst an die RATP gegeben zu haben, nachhause, nachdem ich eine halbe Stunde in einer langweiligen Banlieue-Straße gestanden habe. Der Rückweg ist umsonst. Die Quittung gilt als Fahrschein zurück.

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